Gerade flattert mir ein Artikel vor die Füße. Bergportrait Bishorn (4.153 hm) der Zeitschrift Bergwelten [Werbung unbezahlt]. Der Titel bzw. die Einleitung weckt meine Neugierde: „Ein beachtlicher Firnhatsch über 1.500 Höhenmeter Aufstieg allein zur Hütte – die Bishorn-Tour mag technisch nicht anspruchsvoll sein, Kondition setzt sie allemal voraus.“

Mein erster Eindruck ist: technisch eher problemlos, aber schon knackig. Einstufung: Grün – also irgendwie nicht so schwierig? SAC-Skala: L – Leicht. Das wäre doch mal wieder was für mich, denn Insider nennen das Bishorn auch den „Frauen-Gletscher“. 😀 

 

 

Leicht? Für wen?

 

Leicht, mittel, schwer? Das ist immer eine Sache des Blickwinkels auf die Dinge. Ja – und auch, wenn diese Kategorien standarisiert sind, es ist letztendlich in meiner persönlichen Verantwortung zu schauen: „Wie passe ich, ich ganz persönlich in diese Standards / Kategorien.

Sprich, jetzt schalte ich meinen Kopf ein und recherchiere in Richtung Tourenplanung: Start der Tour ist der Talort Zinal im Val d’Anniviers. Von dort geht es auf die Cabane de Tracuit (3.256 hm). Das bedeutet für den 1. Tag: ca. 5 Stunden Aufstieg – 7,6 km und 1.553 hm. Das ist eine durchschnittliche Steigung von 20%. Anschließend Übernachtung in der Tracuithütte.

Am 2. Tag stehen noch mal 6 Stunden Aufstieg an mit 3,7 km und 885 hm, Steigung durchschnittlich 24% bis zum Bishorn auf 4.153 hm. Und.., was man hoch geht, muss man wieder runter. Daher ist es empfehlenswert einem weiteren Tourentag einzuplanen.

 

Fazit: 2.438 hm und 11,3 km im Auf- und Abstieg – 3 Tage.

 

Sollte man diese Tour allein gehen? Wohl kaum. Das ist eine Tour für eine Hochtouren-Gruppe oder du gehst mit einem Bergführer. Auch wenn ich lese, dass es sich um einfache Firnhänge handelt und kaum Spalten vorhanden sind. Aus meiner Sicht ist diese Aussage situativ zu betrachten und abhängig von Wetter, Ortskenntnissen, Orientierungsfähigkeit und dem Zustand von Gletscherspalten. Darauf wird auch von Bergwelten.com ausdrücklich hingewiesen.

 

Was mir aber wirklich besonders ins Auge sticht, ist letztendlich die Erkenntnis von 2.438 hm im Auf- und Abstieg und dafür brauchts nun wirklich Kondition.

 

 

Was ist denn nun eigentlich Kondition?

 

Wir glauben, wer viel Sport macht hat automatisch eine gute Kondition nach dem Motto: „Viel, hilft viel!“ Wir sprechen von Ausdauer, schnellen Beinen oder davon, die Luft haben um nach oben zu kommen.

Begriffe wie Ausdauer oder Schnelligkeit sind Teile der Kondition und werden demnach als Synonym mit ihr verwechselt.

 

Denn Kondition besteht aus viel mehr und zwar aus den folgenden 5 Komponenten:

 

1. Kraft: Willentlich abrufbare Kraft über einen kürzeren oder längeren Zeitraum

2. Ausdauer: länger Durchhalten, schnelle Regeneration, gute Durchblutung der beanspruchten Muskulatur und hohe Kapillarisierung

3. Koordination: gezieltes Zusammenwirken von Zentralnervensystem und Muskulatur

4. Beweglichkeit: Ausführung von Bewegung innerhalb eines Bewegungsspielraumes

5. Schnelligkeit: Bewegung schnellstmöglich ausführen zu können und hohe Reaktionsfähigkeit

 

Das heißt, nur wenn alle diese 5 Komponenten der Kondition optimal auf deine geplante Route eingestellt sind, wird dir das Outdoor Vergnügen wirklich Spaß machen und zu eine Genusstour mit herrlicher Weit- und Ausblicken. Noch mehr Informationen dazu findest du in meinem Angebot: Sportlich gut drauf

 

Das Wissen über körperliche und mentale Zusammenhänge

 

Was aber, wenn die o. g. 5 Komponenten der Kondition nicht optimal zusammen funktionieren? Dann wird sich im Laufe der Tour Müdigkeit und Erschöpfung einstellen. Und je müder wir werden, desto schwächer werden Koordination und Konzentration. Das Risiko steigt: Wir stolpern, straucheln… stürzen!

Auf der mentalen Ebene stellt sich Unlust, Zögern, manchmal auch Wut – aber auch Angst ein. Und mit der Angst, beginnen die Knie zu zittern und Blockaden treten auf. Gedanken wie diese treten auf: „Hier will ich nicht mehr weiter! Poooah, jetzt war diese ausgesetzte Stelle schon so schwierig und was da vorne wohl noch kommt? Das wird bestimmt noch viel heftiger!“ Noch mehr – die Gruppe läuft weiter, sie werden aus deiner Sicht immer schneller und du immer langsamer.

 

Ein Teufelskreis beginnt

 

Diese Gedanken und das daraus entstehende Kopfkino lassen die Tour dann irgendwann zur „Tortour“ werden. Dazu kommt, dass man sich oftmals selbst bewertet und verurteilt: „Das war ja mal wieder gar nichts! Ich bekomme das einfach nicht hin. Wie blöd, kann man nur sein.“

Eine Abwärtsspirale beginnt und dreht und dreht und dreht. Die Spirale wird immer mehr zum Risiko. Angst – wir nennen es Höhenangst, wird zum quälenden Faktor.

 

Dein Körper hat recht…

… und reagiert absolut sinnvoll in dieser Situation. Er blockiert, warnt und schützt – DICH!

 

In dieser Situation hilft nur Pause zu machen und dich wirklich zu erholen. Aber bleib nicht einfach stehen, sondern komme langsam herunter. Entweder langsam auslaufen oder stehen bleiben mit gleichzeitig schwingenden Bewegungen. Das entkrampft die Muskulatur und – wichtig! – lässt den Kreislauf nicht zusammensacken. Auf jeden Fall braucht der Körper jetzt Energie in Form von Kohlehydraten, als Basis für körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Eine Pause sollte nicht zu kurz sein, denn sonst steigt die Gefahr einer weiteren, dann meist noch heftigeren Höhenangst Attacke.

 

Hast du schon mal probiert, dein eigener bester Freund zu sein? Stell dir doch mal vor, dein bester Freund, deine beste Freundin ist niedergeschlagen, verärgert, frustriert oder traurig? Was würdest du ihr/ihn antworten? Schreibe das gleich mal auf und lese es dir laut vor. Ich freue mich über einen Kommentar, wie es dir mit dieser kleinen Übung ergangen ist.

 

#bleibt mutig

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