Hoch über den bunten Dächern von Innsbruck

 

Über den Dächern von Innsbruck spannt sich ein herrlicher Klettersteig. Wie der Name schon sagt – der Innsbrucker Klettersteig. Der Grat der Nordkette teilt sich in zwei Abschnitte. Der erste Teil führt vom „Hafelekar“ bis zum „Langen Sattel“. Hier ist ein Abstieg möglich. Der zweite Teil leitet weiter über die „Frau Hitt“ und anschließend ausgesetzt hinunter zur Seegrube.

Der Steig ist attraktiv und viel begangen, da er über die Nordkettenbahn (auch Hungerburgbahn genannt), innerhalb von 15 Minuten zu erreichen ist. Die Sicht auf den Karwendel ist unvergleichlich. Die Stadt Innsbruck liegt zu seinen Füßen, derweil man auf  dem Kamm balanciert. Wie so oft im alpinen Gelände, sind frei zu gehende Stellen zu bewältigen. Schwindelfreiheit, Trittsicherheit, alpine Erfahrung und vor allem gute Kondition sind notwendige Voraussetzung. Der Klettersteig ist trotz des kurzen Weges bis zum Einstieg sehr lang (ca. 6 – 7 Stunden). Für den Abstieg sind zusätzlich 1,5 Std. einzurechnen.

Über Pisten zu Höttinger Alm

 

Als Co-Trainerin des Klettersteig-Basis-Kurses (DAV Nürnberg) durfte ich eine Einsteiger-Gruppe begleiten. Wie cool!

Im Vorfeld hatten die „Novizen“ bereits die Klettersteig-Basics sowie Sicherheitstechniken erlernt in der Hersbrucker Schweiz, am Norissteig und am Höhenglücksteig – wie es sich für jeden verantwortungsvollen Klettersteig-Einsteiger gehört.

Wir machten uns am Freitagabend auf, hoch zur Höttinger Alm (1.487 hm). Die Landschaft bietet auf steilen 500 hm Aufstieg eine tolle Aussicht. Zuerst durch den Wald bis man auf einen querenden Forstweg trifft. Dieser Weg führt wiederum bis zu einer Pistenabfahrtsschneiße. Auf dieser weiter, fast senkrecht 🙂 bis zum Höttinger Graben und anschließend links auf dem Serpentinensteig aufwärts bis zur bereits sichtbaren Höttinger Alm. Gehzeit ca. 2 – 2,5 Stunden.

Puuuhh, das war ne ganz schöne Schwitz-Nummer. Das Thermometer zeigte am Abend immer noch um die 30 Grad. Da war trinken gefragt – Wasser und immer wieder nur Wasser. Anschließend bezogen wir unsere gemütlichen Lager für die nächsten 2 Nächte. Am Abend war noch mal das korrekte Anziehen der Kletterausrüstung und das Üben von Knotentechnik angesagt. Unsere Fachübungsleiterin war in diesem Fall ganz streng mit uns. 😉

 

Gänsehautfeeling

 

Am nächsten Tag – die Wettervorhersage hat uns im Stich gelassen. In der Nacht hatte es geregnet, die Berge wolkenverhangen. Der Vorfreude der Gruppe tat dies aber keinen Abbruch. Das erste Mal im Klettersteig in den Alpen – was für ein Wahnsinns-Erlebnis. Wir machten uns auf, zu Fuß von der Höttinger Alm zur Station Seegrupbe (1.905 hm) und von dort weiter mit der Seilbahn zur Bergstation Hafelekar (2.269 hm), in das Reich des Hochgebirges. Von dort sind es nur noch 15 Minuten zum Einstieg in den Klettersteig.

 

Meine Aufgabe an diesen Tag:

 

  • das Sichern der Gruppe von hinten als letzter Mann (ööhhh, Frau 😎 ), vor übereifrigen Überholern
  • Hilfe bei eventuell aufkommender Höhen- / Sturzangst

 

Der Einstieg ist für Anfänger anspruchsvoll, denn es geht erst mal kerzengerade hoch am Fels. Die Tritte sind für kurze Beinlängen herausfordernd und das klettern auf Reibung ist gefragt.  Was uns gleich auf die Idee brachte, diese Technik am nächsten Tag zu üben.

Dem Gratverlauf folgend ging es nun über die Gipfel der Seegrubenspitze und den Kaminspitzen. Anschließend wieder hinunter um eine kleine Hängebrücke zu queren. Danach wieder hoch zu einem steilen Felsblock, wieder dem Auf- und Ab des Grat folgend zum Kemnacher Gipfel (höchster Punkt mit 2.480 hm). Dort sieht man bereits zu Füßen den „Langen Sattel“.  Fast von jedem Punkt des Klettersteiges genießt man den grandiosen Ausblick auf den Karwendel auf der einen Seite und den leuchtend bunten Dächer von Innsbruck auf der anderen Seite.

 

Abstieg über steile Wiesen

 

Wir waren nun bereits 4,5 Stunden auf dem Klettersteig als wir am „Langen Sattel“ ankamen. Auf Grund des fortgeschrittenen Tages beschlossen wir den Abstieg, wieder in Richtung Höttinger Alm. Hinunter über Grashänge und blühenden Almwiesen.

Müde aber auch überglücklich kamen wir dort nach einen langen Wandertag wieder an. Alle Klettersteig-Einsteiger hatten es geschafft und echten Mut bewiesen! Freude und Begeisterung waren groß über dieses fabelhafte Erlebnis.

Der Sonntag war noch mal dem Üben, in’s Tun kommen und der Vertiefung von theoretischen Kenntnissen gewidmet. Auf dem Programm des DAV standen Erstversorgung von Unfallopfern, sicheres Gehen im unwegsamen Gelände und abseilen.

 

Wer gut steht, klettert sicherer…

 

Wie versprochen gab es von meiner Seite noch Theorie und Praxis zum Thema: Klettern auf Reibung.

Denn am Fels gibt es keine bunten Knöpfe und Griffe. Dort ist meist alles grau und steil. Doch das Grundprinzip ist immer das Gleiche. Die Füße sollten sauber stehen, nicht rutschen und die Arme möglichst nur zur Stabilisierung des Oberkörpers dienen. Soweit zur Theorie..

Damit die Theorie zur Praxis wird braucht man vor allem eines:  VERTRAUEN

 

Vertrauen, dass der Fuß auf dem Tritt halten wird. Dieses Vertrauen muss man lernen und vor allem üben.

Das Gehirn muss wissen: „Aha, das wird funktionieren“! Ansonsten wird die Sturzangst bleiben.

 

Der erste Schritt dorthin ist die Fuß-Auge-Koordination. Das Auge findet den Tritt. Achtung, und das ist jetzt ganz wichtig: Wenn der Fuß sauber auf dem Tritt platziert ist, den Blick immer dahin richten, wohin der Weg gehen soll. Atmen und lächeln  nicht vergessen.  🙂   Wenn der Fuß steht, bringst du Druck darauf und verlagerst das Gewicht auf den Fuß. Probiere diese Technik zuerst im einfachen Gelände aus. Mit gutem Schuhwerk und auf trockenen Fels, wird der Fuß halten.

 

Reibung – Tritte nutzen, die es gar nicht gibt

 

Auch auf Nichts kann man stehen. Jedenfalls solange dieses Nichts ein Fels ist. Also – wo kein Tritt ist, muss auf Reibung angetreten werden. Um im Klettersteig einen hochliegenden Tritt zu erreichen, ist es ab und zu nötig, mit einem Fuß kurz auf Reibung anzutreten um dann den anderen Fuß auf den hohen Tritt zu setzen.

Viel Spaß beim Üben, denn für’s Bewegungslernen braucht’s das Tun!

P. S. – Übrigens, die Höttinger Alm ist ebenso ein beliebtes Ziel für Montainbiker. In ca. 2 Stunden, auf ca. 22 km kann hochkurbelt werden um anschließend köstliche Spinatknödel zu genießen.

 

Sportlich . Natürlich introvertiert . Echt mutig

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