Ja, im Gehirn laufen Prozesse ab, das glaubt man gar nicht – einfach so, ob man will oder nicht. Da wird Neues gespeichert, Dinge entschieden und Gewohnheiten gebildet – bewusst oder unbewusst. Es wird sich auf die Logik des Gehirns verlassen: „Das Gehirn wird schon das Richtige für uns tun!“

Wer kennt nicht diese kleinen Post-IT Zettelchen am Spiegel oder die Postkarte, die am Computer klebt, mit den schlauen Sprüchen.

Und jetzt ganz fest daran glauben, was da steht – dann gelingt Veränderung. Oder etwa nicht?

 

 

Hirn, bin ich ein Angstmeier?

 

Liebes Hirn,

ich bin grad richtig frustriert und sauer. Die Urlaubs- und Wanderplanung für den nächsten Bergsommer ist im vollen Gange. Alle freuen sich. Und ich? Ich denke an Berge, grüne Wiesen und blauen Himmel…

Hilfe, ich kann mich nicht freuen!

Der Aufwand und die Energie, die ich bis jetzt rein gebe, um meine Höhenangst zu steuern ist groß. Aber automatisch leichter wird es nicht. Den Erfolg, den ich mir dadurch erhofft habe, tritt meistens nicht ein. Manchmal sind kleine Fortschritte sichtbar, aber das Aufwand-Nutzen-Verhältnis stimmt nicht. Nun wird es mir schon wieder ganz übel, wenn ich an die kommende Saison denke und meine Hände werden ganz schwitzig.

 

 

Wie es wirklich funktioniert

 

Zuständig für Veränderung und Lernen ist das sogenannte explizite Gedächtnis. Es sitzt im limbischen System und im Kortex. Es speichert unser Wissen. Das besondere daran ist, dass es eine Art Filter darstellt und entscheidet, welche Informationen vom Kurz- in das Langzeitgedächtnis übertragen werden. Besonders das limbische System hat es in sich. Denn wenn Veränderung gelingen soll, müssen folgende Faktoren passen, damit es als wichtig eingestuft wird:

 

  • Macht es mich neugierig?
  • Ist das Neu?
  • Ist das relevant für mich?
  • Bringt mir die Veränderung Aussicht auf Erfolg oder Gelingen?

 

Diese Abfrage erfolgt auf Grund von Erfahrungen. Dies laufen meistganz schnell und unterbewusst, sind also „gefühlte Erfahrungen“.

Die Erfahrung, wie wir uns in einer bestimmten Situation gefühlt haben, geschieht meist nonverbal. Also sowas wie – das Verdrehen der Augen, das Heben einer Augenbraue oder ein anerkennendes Nicken, entscheidet in Wirklichkeit über „gute oder schlechte“ Gefühle.

Höhenängstler kennen diese störenden und blockierenden Gedanken und Gefühle.

 

 

Ist es möglich Gedanken und Gefühle einfach abzustellen?

 

Anstatt Gedanken und Gefühle abzuschalten, können Gedanken „anders besetzen“ werden.  Das funktioniert mit „Subvokalen Training“, d. h. mit dem inneren Nachsprechen.

Dazu möchte ich dich zu einem kleinen Experiment auffordern:

Denke nicht an den schmalen Steig ohne Sicherung.

Denke nicht an den schmalen Steig ohne Sicherung.

Denke nicht an den schmalen Steig ohne Sicherung.

 

Und? An was denkst du? An den schmalen Steig ohne Sicherung, oder? Ein Nicht-Nicht-Denken kennt unser Gehirn nicht.

 

Genau dieses Prinzip wenden wir an in der Höhenangst-Negativ-Denken-Fastenzeit an. In diesen 40 Tagen üben wir, wie du dir helfen kannst, wenn du das nächste Mal auf Tour an Dinge denkst, die dich eher blockieren als unterstützen.

Oft wir es propagiert, an das große Ziel zu denken, z. B. wenn du jubelnd am Berg stehst. Aus meiner Sicht und Wahrnehmung ist dieser Schritt zu groß – wir schneiden kleine, machbare Aufgaben. Diese sind überschau- und machbar. Das Große überfordert uns und lässt uns letztendlich wieder scheidern.

 

Deshalb ist meine Empfehlung:

Du denkst den Gedanken, was als nächstes zu tun ist. So formuliert, so dass Kopf und Körper genau wissen, was zu tun ist. Sage dir dabei immer genau vor, was der nächste Schritt ist. Manchmal hilft auch singen, wenn dir das sprechen komisch vorkommt.

 

Was dein ganz persönlicher nächster Schritt ist, erarbeiten wir im Höhenangsttraining.

 

 

Übung 1 für die Höhenangst-Negativ-Denken-Fastenzeit

 

In der ersten Fasten-Woche fangen wir mit einer Situation an, die jeder kennt: Wenn du unsicher bist oder Angst hast, reagiert deine Muskulatur (fahrig, hektisch oder blockierend) und dein Atem wird schneller. Manchmal überkommt dich das Gefühl, du bekommst gar keine Luft mehr.

Wir neigen dazu in bedrohlich empfunden Situationen schneller zu gehen, als es das Gelände meist zulässt. Das passiert auch, wenn du Angst hast, dich verlaufen zu haben im Gelände oder ein Gewitter zieht auf und du weißt, da liegen noch ein paar Stunden Weg vor dir.

 

In dieser Situation können folgende Selbst-Anweisungen helfen:*

 

1.  Bleib stehen!

2.  Atme!  (tief einatmen und ein lang gezogenes ausatmen)

3.  Atme!  (tief einatmen und ein lang gezogenes ausatmen)

4.  Atem!  (tief einatmen und ein lang gezogenes ausatmen)

5.  Ruuuuuhig jetzt!

 

 

Es wird jeden Mittwoch eine weitere Übung geben.

 

 

 

So, jetzt bist du gefragt.

 

Endlich kann es los gehen, um deine Gedanken in die richtige Richtung zu lenken. Diese Aufgabe kannst du ganz prima in deinen Alltag einbauen, denn auch dort gibt es ausreichend stressende Situationen.

Plane diese Übung mindesten 1x am Tag ein, das braucht nur ca. 5 Minuten pro Tag. Überlege dir morgens beim Aufwachen schon die beste Möglichkeit dafür, wie:

Vor dem nächsten Meeting? Das Gespräch mit dem Chef oder dem peniblen Controller? Dein Kind fordert dich gerade richtig? Mit der neuen Lehrerin müsstest du auch mal reden, drückst dich aber noch? Der nächste Samstagsausflug mit den Freunden in die Berge?

 

 

Bist du dabei, bei der Höhenangst-Negativ-Fastenzeit? Ich bin auch dabei und zwar mit meiner: Nachts-Draußen-Allein-Schlafen-Angst. Ich freue mich auf deinen Kommentar dazu.

Falls nicht, schreibe gleich eine WhatsApp-Nachricht oder eine eMail an Menschen, die du schätzt und erzähle davon.

 

* Inspiriert ist diese Übung durch das Buch: „Berggenuss statt Höhenangst“ von Petra Müssig (Steinadler Seminare). Dort habe ich meine Ausbildung zum Sport-Mental-Coach absolviert.

 

 

Übung 1 zum Ausdrucken und Mitnehmen!

Höhenangst-Negativ-Denken-Fastenzeit

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