Letzte Woche war ich selbst auf Fortbildung. Lebens-, Veränderungs- und Prozess-Begleitung im Zyklus der Natur (Transformation in Natura am Umainstitut).

Dort ist mir besonders das Thema „Wechsel- und Übergangszeiten im Lebenskompass“ aufgefallen und dazu möchte ich euch einer meiner Geschichten erzählen, die mir in diesen Tagen wieder ganz besonders in Erinnerung gekommen ist:

 

Es ist früher Nachmittag und ich bin schick angezogen. Dunkles Kostüm und hohe Schuhe. Der Kragen meiner Bluse ist über dem Blaser zu sehen. Ich packe meinen Laptop und Unterlagen. Ich bin furchtbar aufgeregt, fast schlecht ist es mir in der Magengrube. Zu Mittag konnte ich gar nichts essen.

 

Heute ist Quartalsmeeting mit den Führungskräften und dem Management. Die „Erfolgszahlen“ sind vorzustellen. Jetzt einen Schritt vor den anderen, ganz langsam die Treppe hinunter – atmen – und vor dem Raum warten, bis das Okay kommt einzutreten.

 

Pooooaah, es geht schon wieder los! Ich werde unsicher. Verzweiflung setzt sich fest. Hitzewellen schwallen durch den ganzen Körper und dicke, fette Schweißtropfen bilden sich auf meiner Stirn. Am liebsten möchte ich jetzt meine Blaser ausziehen. Doch das geht nicht, das Handy blinkt. In einer Minute bin ich dran, zum Bericht.

 

Seit kurzem Zeit haben sich die ersten Symptome der Wechseljahre eingestellt. Hilfslosigkeit übermannt mich, irgendwo krame ich ein Taschentuch hervor, wische mir die Stirn und greife in meine nassgeschwitzten Haare. Nur nichts anmerken lassen!

 

Die Tür geht auf, ich gehe hinein und grüße freundlich. Ich gehe zum Pult, klappe den PC auf, verbinde den PC mit dem Beamer. Mein Blick geht in die Runde, ernste Männer-Gesichter und Augen auf Folien und Zahlen gerichtet.

 

Wieder und immer wieder bilden sich in Schüben diese Schweißtropfen auf der Stirn, die Bluse klebt am Körper während ich berichte. Es bleibt nur die Flucht nach vorne. Konzentration, nur nicht ablenken lassen – nur die Stimme nicht versagen lassen. Was wäre, wenn ich meinem Impuls folge und einfach davonlaufen würde?

 

Die Präsentation habe ich immer wieder geübt. Auf Fragen bin ich vorbereitet. Da hilft die lange Berufserfahrung. Gleichzeitig realisiere ich: „Ich schäme mich. Was denken die Menschen grad von mir? Die Menschen im Plenum müssen doch sehen, wie mir das Wasser am Körper herunter rinnt. Aber was kann ich tun? Dagegen? Dafür?“

 

Fertig! Ich bedanke mich und schnellen Schrittes gehe ich aus der Tür, Tränen steigen bereits in die Augen. Wieder schnellen Schrittes gehe ich in eine stille Ecke, die Tränen laufen. Was hat mich nur so in diese Misere geführt? Wenn doch einer kommen und sagen würde, was da gerade passiert? Darauf war ich irgendwie nicht vorbereitet. Leistung und Karriere, das war bislang mein Ziel und der Körper hat bisher „gehorcht“.

 

Aber niemand kommt. Niemand. Ich fühle mich überfordert und einsam…

 

 

 

Warum erzähle ich diese Geschichte?

 

Mich beschäftigt die Frage: Wie vielen Frauen in den Jahren des Wechsels geht es so, wie mir damals?

 

Irgendwann sind wir für Wechsel- / Übergangs- und Reifezeiten in Bezug auf unsere eigene Frauen-Natur orientierungslos geworden. Die Werbung zeigt uns oft Frauen, die ausschauen wie Mädchen – eine junge, schlanke Frau mit grauen Haaren? Dieses Bild passt nicht. Irgendwie crazy.

Ich vermisse das Bild dieser stolzen Frauen, die mehrere Kinder geboren haben, deren Gesicht und Hals faltig und Hüften rund geworden sind..

Das Problem ist nicht der Wechsel selbst. Das Problem ist, das wir nicht wirklich vorbereitet sind auf diese neue Zeit und ihrem Veränderungsgewicht.

 

Es fehlt das Bild, in einer männergeprägten Berufswelt seine Frau zu stehen mit all unseren Kompetenzen und gleichzeitig der Natur ihren Lauf gewähren zu können.

 

Was in diesen Jahren „wechselt“ sind nicht nur die Hormone, sondern auch der Blick auf das Leben selbst. Hier sind alle Menschen von betroffen – Männlein wie Weiblein. Und weil wir viel älter werden als früher und damit diese Zeit viel länger dauert, wird dieser Lebensübergang immer bedeutsamer.

 

Die Qualität der Natur im Spätsommer oder Frühherbst zeigt uns Bilder dafür. Dann, wenn im August der Sonnenlauf flacher, die Nächte kühler werden. Es wirkt eine Kraft, die Früchte zur Ausreifung bringt und in Kräuter einfließt. Kräutersegnungen finden noch in einigen Gegenden um den 15. August, dem Feiertag zu Maria Himmelfahrt statt. Die Erntezeit beginnt.

 

Nun habe ich beschlossen nicht nur meinen eigenen Senf dazu zu geben, sondern meine geschätzten und kreativen Leser(innen) mit einzubeziehen.

 

Die beiden Fragen, die ich nun in die Blogaktion werfen möchte, sind:

 

  • Welches Bild / welcher Gedanke hilft dir in den Zeiten des Wechsels?
  • Kennst du Übergangs- oder Orientierungsbräuche für Wechsel-Jahre?

 

 

Welche Erfahrungen hast du zu dem Thema? Machst du mit bei der Blogaktion? Schreib mir, male, dichte, fotografiere, mach ein Video… was immer du möchtest und wie du dich ausdrücken möchtest.

Schreib in den Kommentaren oder in deinem eigenen Blog und verlinke zu diesem Aufruf, so dass wir mitlesen können. Oder schicke mir deinen Link mit einem Foto und ich verlinken zu deinem Blog. Ein anderer Weg ist, du schreibst mir deine Gedanken.

Ich bedanke mich jetzt schon für euren Mut und euer Vertrauen mit diesem, so äußerst sensiblen und verdrängten Thema nach außen zu gehen.

Wer, wenn nicht wir Frauen?

 

Hast du noch Fragen? Wenn ja, dann schreibe mir.