Es läuft grad nicht! Ganz und gar nicht!

 

Den Sommer 2018 habe ich genossen in vollen Zügen. Wandern, Berge und nichts als wandern – ich und mein Rucksack. Wir Beide waren ein Team und gingen dahin, wohin mich meine Nase gerade führte. Teilstücke des GTA, weiter über den Trail des Traumpfades von Innsbruck bis zum Grödner Joch. Anfangs September 2 Wochen Zelttrekking in Schweden mit Wanderguide – Ausbildungs – Kollegin Birgit entlang des Kungsleden Nord.

Eigentlich und auch uneigentlich war ich satt und zufrieden. Ich schwelgte in den bunten Farben des beginnenden Herbstes in Nordschweden. Das leuchtende Gelb der Birken, das kräftige Rot der Heidelbeeren und der Himmel in allen nur erdenklichen Glitzerblau-Farben.

Nun, Mitte November – Afrika. Als ich mir zu Beginn meiner Auszeit in den Kopf gesetzt hatte nach Afrika zu gehen, überriss ich noch gar nicht was es heißt, wirklich 7 Monate unterwegs zu sein. Hatte ich nichts gelernt? Wieder bin ich in die bekannte Falle getappt, das Muster war das Gleiche: Erst mal ganz viel in das „Was-möchte-ich-alles-tun-Körbchen“ packen. Diese Auszeit sollte doch das Potenzial haben alles ganz anders zu machen, nämlich Ruhe in das Leben zu bringen. Aber eh ich mich versehe, bin ich schon wieder im Stress – im Reise-Stress.

Anyway, ich habe die Reise gebucht. Ich tue das jetzt! Ich wollte das so! Mein Herz macht aber grad gar keine Sprünge und so ziehe ich die Vorbereitung bis auf das Letzte hinaus. Meinen Hausarzt konsultiere ich erst eine Woche vor Abreise bezüglich Impfung etc. – Hepatitis A wird erst in zwei Wochen wirken.  Das ist keine Glanzleistung, mein Perfektionsteufelchen meldet sich und ist nicht zufrieden mit mir.

Eine Woche vor Abreise höre ich vom Veranstalter, dass es keine weiteren „weiblichen Einzelanmeldung“ gegeben hat außer mir und damit habe ich keine Zimmernachbarin. Unsere Gruppe wird aus 2 Paaren und 2 Einzelreisenden bestehen. Der zweite Einzelreisende ist Bernd, aus der Nähe von Dresden.

Naja, für den Aufenthalt in den Lodges finde ich das ja gar nicht so schlecht ein Einzelzimmer zu bekommen. Aber, Wildnis-Übernachtung in Camps ohne Wildtierzaun – und dann ganz allein im Zelt? Ahhh! Bei diesem Gedanken bekomme ich dann doch Magengrummeln. Ist das Ganze vielleicht dann doch eine Nummer zu groß für mich?

 

Es ist fünf vor Adventure time und ich habe Angst vor meiner eigenen Courage.

 

Zusätzlich sehe ich nun plötzlich dieses Monster Neuanfang, das auf mich zukommen wird nach meiner Afrikareise und ich habe das Gefühl dem Ganzen nicht mehr gewachsen zu sein. Immer mehr Unbehagen macht sich breit.

 

 

Jetzt reichts! Hatte mir doch schon vor einigen Monaten eine Strategie zurechtgelegt:

 

4 Dinge, an die ich mich erinnere, wenn‘s mal nicht so gut läuft!

 

  • Atme!

    Atme tief und fest, so dass sich die Verkrampfung aus deinen Muskeln und aus deinem Hirn lösen kann. Atme, damit deine Synapsen im Hirn wieder leuchten können.

 

  • Was ist nun wirklich reale Gefahr und was ist nun Kopfkino?

    Ja, dieses knallgrüne Wuschel-Monster, namens Kopfkino hat mich gepackt und es hat sich aufgeblasen zur Größe eines Hochhauses. Nach einem vertrauensvollen Gespräch mit dem Veranstalter wird mir klar, dass wir vor Ort durch gut ausgebildete lokale Guides betreut werden. Wie sich im Verlauf der Reise herausstellt – super gute Guides, die im Busch aufgewachsen und in der Wildnis zu Hause sind. Menschen mit Mut und gleichzeitiger Achtung und Demut vor den wilden Big 5 (Elefant, Löwe, Büffel, Nashorn, Leopard). Tolle Menschen…

 

  • Warum habe ich Anfang 2018 diesen Weg eingeschlagen? Was wollte ich erreichen?

    Der Sommer 2018 hat es mir leicht gemacht. Wandernd in den Bergen, da fühle ich mich zu Hause. Hier schöpfe ich aus einem reichen Erfahrungsschatz und gleichzeitig rutschte ich wieder – unbewusst – in meine Komfortzone. Uuups, aber ich habe mich doch auf den Weg gemacht, um meine Komfortzone zu verlassen, zu weiten, um damit bei meinen Ziele und Lebenswünschen zu bleiben. Es wird mir wieder klar! Die Angst davor, gewohnte Sicherheit aufzugeben wird mir immer wieder neu begegnen.

 

  • Schlussendlich: Der Tod ist ein guter Ratgeber

     

    Auf eine kurze Formel gebracht gibt es zwei Möglichkeiten, mit der eigenen Endlichkeit umzugehen..

.. Ich weiß, dass ich sterben werde, das Hirn realisiert das aber nicht.  Also lebt man so, als wenn man unsterblich wäre.

.. Ich weiß, dass ich sterben werde und irgendwann realisiert das Hirn das auch. Ab diesen Zeitpunkt verändert sich meist die Sicht auf das Leben.

 

Die Frage ist nicht, ob es ein Leben nach dem Tod gibt.
Die Frage ist, ob du vor dem Tod lebendig bist.

Osho

 

 

Damit nicht genug. Wenn der Teufel schon mal im Detail steckt!

 

In Frankfurt checke ich ein, gebe brav meinen 17 kg Rucksack ab. Nach ca. 10 Stunden Flug, Landung in Windhoek. Mein Reisepass gefällt der Lady bei der Einreisestelle in Namibia nicht so sehr – 5 Minuten Diskussion, aber letztendlich darf ich einreisen.

Nun stehe ich am Gepäckband. Ein Koffer nach dem anderen rollt herein, dann plötzlich…  Leere. Kein roter Rucksack!  Ich suche einen älteren Herren auf, der am Band behilflich ist: „All in, no red Backpack!“ Please contact the baggage claim!“

Wow, was ist da gerade los im Universum? Ich verstehe die Welt nicht mehr.

 

Der junge Mann am Lost & Found Schalter ist sehr nett und hilfsbereit. Inzwischen ist die Halle leer und ich höre inzwischen, wie mein Name in der Ankunftshalle mehrmals aufgerufen wird. Auf mich warten ja bereits 5 weitere Mitreisende und ein Guide.

Heidi, Atme! Atme!

Nachdem ich mein „Suchauftrags-Zettelchen“ in der Hand halte gehe ich in die Ankunftshalle, in der Hand nur meinen Daypack.

„Hey, da kommt noch Jemand! Bist du Heidi? Wir suchen dich schon überall!“ Meinen neuen Weggefährten fällt ebenfalls ein Stein vom Herzen. „Ja, ich bin Heidi. Heidi ohne Rucksack!“  😀 

 

Aber irgendwie ist mir das grad egal. Im Moment kann es nur noch besser werden!

 

Erst mal Kaffee..

 

 

Pin It on Pinterest

Share This